EIN VERÄCHTER DER “PRAXIS”? II

STIRNER 6

 

 

 

 

 

 
Paradoxe Würdigungen und Anhänglichkeiten

Es steht ausser Zweifel, dass Sigmund Freud und seine Schule unter personaler Autonomie immer ganz selbstverständlich introjizierte und internalisierte Heteronomie verstanden; dass sie nie und nimmer das Über-Ich, wie Hoevels, als “malignes Introjekt” betrachteten; dass sie nie die Auffassung vertraten, das Über-Ich sei — im Einzelfall — in der psychoanalytischen Kur zu zerstören und — im Massenmassstab — in einem evolutionären Prozess sukzessive zu eliminieren.

Gross, Ferenczi und Fenichel opponierten nur mit äusserster Zaghaftigkeit.

Freud hatte in dieser grundsätzlichsten theoretischen Frage der Psychoanalyse nur einen einzigen, entschiedenen Gegner: Wilhelm Reich. Wie er ihn unter stillschweigender Duldung oder Zustimmung (fast) aller Psychoanalytiker kaltstellen und auf Dauer zur Unperson der Psychoanalyse machen konnte, ist einer der instruktivsten Vorgänge zum Verständnis des Niedergangs der Aufklärung im . Jahrhundert.

Deshalb erscheint es als so schreiend paradox, dass Hoevels, der diese Einzelheiten genau kennt, sich ausgerechnet Freud verschrieben hat. Er, der sich wegen seiner — stirner’schen — Sicht der Funktion des Über-Ichs sachlich in der Nachfolge Reichs sehen müsste, übergeht stillschweigend die fundamentale und unversöhnliche Gegnerschaft zwischen Freud und Reich und positioniert sich als den heute einzigen “authentischen” Sachwalter ausgerechnet Sigmund Freuds (Hoevels’ Aperiodikum »System ubw« firmiert als “die einzige Zeitschrift in der unverfälschten Tradition Freuds”; weitere Belege allenthalben darin und in den anderen Schriften von Hoevels). Zum Zerstörer der vom Ansatz her radikal aufklärerischen Psychoanalyse erklärt er deshalb auch nicht ihren Schöpfer, Freud, mitsamt seinen Paladinen und dem philisterhaften Tross, sondern — politically correct  — “den Faschismus”.

Die gleiche paradoxe Anhänglichkeit zeigt Hoevels gegenüber einem anderen Grossen: Karl Marx (1818-1883). Für diesen, erklärt Hoevels gleich zu Beginn seines Artikels, sei Stirners “einzige Entdeckung” nichts Besonderes gewesen — “derlei” sei für Marx eher trivial, eben “nur ein Fetisch” gewesen. Hoevels’ Satzbau ist zwar verkorkst, klar aber insofern, als er die grosse Überlegenheit Marx’ über Stirner behauptet.

Man darf sich nicht dadurch irreführen lassen, dass Hoevels gelegentlich “Sympathie” für Stirner demonstriert, z.B. wo er dessen Konzept vom “Verein der Egoisten” als “Essenz des Kommunismus sensu Marx und Lenin” auffasst und jeden “Kommunisten, der nicht uneingeschränkt hinter dieser Definition steht […als] gänzlich verfehlt und pervertiert” etc. brandmarkt. Wie bei der Konstellation Freud contra Reich so übergeht Hoevels auch bei der Konstellation Marx contra Stirner nicht nur den notorischen Gegensatz der Kontrahenten, sondern auch die anti-aufklärerischen Methoden, mit denen Marx resp. Freud Stirner resp. Reich zu Unpersonen und sich selbst zu Helden der Aufklärung gemacht haben.

Hoevels kann seine paradoxe Adoration Marxens nur mittels rigoroser Ausblendungen, grosser blinder Flecken und extremer Fehlauffassungen aufrechterhalten. So behauptet er, Marx und Stirner seien privat “bekanntlich” verfeindet gewesen. Weithin bekannt ist indes, dass sich beide persönlich nie trafen; dass Marx und Engels vor  Erscheinen des »Einzigen« Stirner als kritischen Journalisten schätzten; und dass Stirner sich in seinem Buch anerkennend über Marx äussert.

Hoevels weiss das natürlich, schreibt aber etwas anderes; er weiss auch, dass Marx dann, alarmiert durch Stirners Buch und Feuerbachs hilflose Replik, ein sehr dickes Manuskript gegen Stirner (»Sankt Max«) geschrieben hat; und weil Hoevels dieses nicht einmal erwähnt, scheint er sogar zu wissen, aus welchen Motiven dieses Manuskript entstand und aus welchen Gründen Marx es schliesslich nicht veröffentlichte. Und Hoevels weiss auch, dass Marx’ Abkehr von Feuerbach und seine Konzeption des historischen Materialismus als Fundament des “Marxismus” die unmittelbare Reaktion auf Stirners »Einzigen« waren.  Die Aufzählung dieser Mängel wird man schwerlich als Beckmesserei werten können.

Nachdem Hoevels entscheidende Ereignisse geflissentlich übergangen hat, versucht er, sein Ausweichen durch das zweifelhafte Lob zu kaschieren, “an richtunggebenden Stellen [sei] die Übereinstimmung von Marx und Stirner … so gross, dass eine Anregung der jüngeren [Lehre] durch die ältere, mehr aufgrund gemeinsamer Diskussionen als durch Lektüre von Stirners Buch, recht wahrscheinlich wirkt.” Wieder eine auch sprachlich aufschlussreiche, verräterische Stelle, deren Interpretation im Kontext des Artikels ich dem Leser überlasse.

Kurz gesagt: auch hier ist Hoevels’ Situation paradox. Hoevels ist zwar, was gar nicht hoch genug gewertet werden kann, heute einer der ganz-ganz Wenigen, die »Die Negation des irrationalen Über-Ichs…«als den entscheidenden Problemkomplex der steckengebliebenen Aufklärung erkannt haben. Bei der Beurteilung der historischen Konflikte jedoch, in der es im Kern genau um diesen Problemkomplex ging, stellt Hoevels sich leidenschaftlich und, wie sein hier diskutierter Artikel zur Genüge belegt, unter intermittierender Preisgabe rationaler Kontrolle auf die Seite derer, die eben diese Fragestellung, als sie durch La Mettrie, durch Stirner, durch Reich exponiert wurde, ohne Diskussion im Keim erstickt haben und primär aufgrund dieses anti-aufklärerischen Bravourstückes zu Galionsfiguren der jüngeren — inzwischen bankrotten — Aufklärung stilisiert wurden.

Paradox ist Hoevels’ Situation zusätzlich dadurch, dass er im allgemeinen — freilich in weit weniger gewichtigen Fragen — alles andere als ein Opportunist oder Leisetreter ist: z.B. einen umtriebigen »Bund gegen Anpassung« gründete, sich mit politisch verfolgten Inländern solidarisierte (“Republikanern”, “Szientologen”), tabuisierte Forderungen plakativ vertritt (“Sechs Milliarden sind fünf zuviel”), etc.

“Praxis”, der Fetisch des illusionären Aktivismus
Es kann hier natürlich nicht angestrebt werden, aufgrund von einigen gedruckten Schriftstücken die in der Person des Fritz Erik Hoevels liegenden Motive für sein widersprüchliches, paradoxes, chamäleonhaftes etc. intellektuelles Gebaren zu ergründen. An einigen Stellen des Hoevels’schen Artikels wird jedoch eine Haltung kenntlich, die bei Sympathisanten Stirners — und als solchen stellt sich Hoevels ebenfalls dar — häufig anzutreffen und deshalb von allgemeinerem Interesse ist. Man behauptet die Theorielastigkeit und Praxisferne der Einsichten Stirners und sieht darin ihren gravierenden Mangel. Einige Autoren, z.B. Max Adler oder Wolfgang Essbach, haben dem abhelfen wollen, indem sie Stirner mit Marx, seinem ihn fliehenden Antipoden, literarisch zwangsvermählten.

Hoevels schliesst sich — trotz seiner Erkenntnis dessen, was Stirner zur singulären Figur im 19. Jahrhundert macht, die bei den allermeisten sonstigen “Sympathisanten” fehlt — dieser Auffassung im Prinzip und mit unklaren Einschränkungen an. Er sieht bei Stirner “das absolute Ausbleiben auch nur des mikroskopischten Schritts” in Richtung auf eine gesellschaftliche Veränderung.

Stirner verwende in seinem “unpolitischen” Buch “nicht den mindesten Gedanken an die praktische Seite des Problems.” Er halte — wie Baader/Meinhof (!?) — die moralische Lösung eines gesellschaftlichen Problems “schon für gleichbedeutend mit seiner praktischen Lösung.” Auch diese Formulierungen sind — erst recht, wenn vollständig und im Kontext gelesen — nicht gerade klar. Unbezweifelbar deutlich wird jedoch Hoevels’ Meinung, worin “der entscheidende Unterschied zwischen Stirner und Marx” liegt, dessen Dimension er mit dem Vergleich zwischen einer Nadel und einer Interkontinentalrakete bildlich fassbar zu machen versucht.

Ein kurioses Bild, gewiss, aber man weiss, was Hoevels meint: eine Theorie ohne Praxis ist keinen Pfifferling wert. Als “psychoanalytisch geschulter Beobachter” glänzt er aber nicht gerade, wenn er Stirners “hundertprozentige organisatorische Abstinenz” als Absage an jegliche Praxis und “unbewusste Selbstbestrafung für seine erfolgreich überichfeindliche Befreiung von den eingetrichterten hypostatischen ‘Sparren'” interpretiert. (Man beachte die Logik: Nach Befreiung vom Über-Ich bestraft dieses dafür.)

Doch obwohl Hoevels, im Kontrast dazu, die grossartige Bedeutung von Marx für die immer wieder beschworene “Praxis” betont, redet er nie konkret von dessen, seine Praxis fundierenden, Geschichtsmodell des historischem Materialismus — wonach aufgrund eherner Gesetze die Klasse der Proletarier das “Reich der Freiheit” verwirklichen wird, auch wenn kein einziger von ihnen in dieser Absicht agiert — sondern empfiehlt eine Art leninistisches Programm zur Herbeiführung einer Gesellschaft, in der es “eine möglichst aufgeklärte Mehrheit” geben wird: “Der Weg dorthin ist nur unter einer radikal aufgeklärten und sehr entschlossenen Führung möglich.”

Diese Führung, erklärt Hoevels weiter, “muss man erst einmal erringen, vorher sind die schönsten und klügsten, renitentesten und aufgeklärtesten Gedanken für die Katz, und die Macht bleibt, aller Kritik und Durchschauerei zum Trotz, in bewährten Händen.” Diese Macht gelte es, dem Feind “zu entreissen und in jedenfalls bessere, und sei es nur halb so gute, Hände zu legen [die eigenen?]. Danach kann man immer noch weiter sehen.”

Und genau dieses “gigantische technisch-praktische Problem”, klagt Hoevels vorwurfsvoll, “kümmert Stirner herzlich wenig, geradezu kindisch wenig.” Hätte Stirner seinen Zeitgenossen oder den Späteren eine Anleitung liefern sollen, wie man die Macht im Staate an sich reissen kann? Solch grossspuriges Gerede, wie es passagenweise bei Sade, Nietzsche und anderen machtlosen Literaten zu finden ist, wäre doch — nicht kindisch, aber — läppisch.

Kein Zweifel, gerade dem von Hoevels mehrmals beschworenen psychoanalytisch gebildeten Beobachter bzw. Leser seiner Texte zeigt sein eindringliches Betonen von “Praxis” — im Zusammenhang gelesen — recht deutlich, dass diese für ihn genau das ist, was er bei Anderen so gern als “Fetisch” geisselt, resp. als “Sparren”. Praxis — so heisst der Fetisch des illusionären Aktivismus. Illusionär ist solcher Aktivismus, weil er sich — letztlich — von einer aus ökonomischen Gründen prognostizierten “Revolution” und/oder einer “Vergesellschaftung” der Produktionsmittel und/oder à la Hoevels von der Machtergreifung “einer radikal aufgeklärten und sehr entschlossenen Führung” eine mirakulöse Verwandlung der Menschen erträumt (Parole: “Das Sein bestimmt das Bewusstein”), eine Verwandlung freilich zum “Guten” im ganz traditionell-utopischen Sinn. Die unausbleibliche Desillusionierung durch eben jene “Praxis” erzeugt dann den heute so verbreiteten Defaitismus in Bezug auf die Zukunft der Aufklärung.

Stirner hingegen war, so weit das erschliessbar ist, von diesem Sparren frei. Er war ein radikaler Aufklärer, der aus Einsicht in die ungeheure Grösse der Aufgabe, die der Menschheit bevorstand, weder in Defaitismus versank noch sich — wie etwa Marx — auf den Wogen einer dem Epochentrend perfekt angepassten Illusion davontragen liess.

Stirner war, dies ist seinen Schriften klar zu entnehmen, keineswegs der von Hoevels “hypostasierte” Verächter der Praxis, aber er verstand unter Praxis, wie seinem »Einzigen« zu entnehmen ist, etwas Alltägliches, vom Leben Unabtrennbares, vor allem nicht etwas Über-Ich-Induziertes und somit jedenfalls etwas ganz Anderes als Hoevels und gewiss auch auch als Marx (– der, im übrigen, sein Leben grossteils manisch lesend und schreibend verbrachte). Illusionärer Aktivismus ist letztlich Pseudo-Praxis und korrespondiert oft mit massiven Beeinträchtigungen der Theorie (bei Hoevels: trotz Einsicht in die Über-Ich-Problematik Marx statt Stirner, Freud statt Reich, auch Sade statt La Mettrie).

“Tertiärverdrängung”

Der Fetisch Praxis scheint also, nach meinen vorläufigen Vermutungen, der plausibelste Grund dafür zu sein, dass Hoevels — trotz seiner so äusserst raren Übereinstimmung mit Stirner in dessen fundamentaler Erkenntnis der Entstehung und malignen Funktion des “Über-Ichs” — nicht in der Lage ist, Stirner (hauptsächlich gegen dessen gefeierte Verdränger Marx und Nietzsche) richtig, d.h. als für eine Reanimation der Aufklärung unentbehrlich, einzuschätzen. Der Fetisch Praxis muss auch der Grund dafür sein, dass der hochgebildete, gerade auf den einschlägigen Gebieten sehr versierte und als Autor erfahrene Hoevels beim Thema Stirner nicht nur stilistisch immer wieder verunglückt, sondern auch mit vielerlei groben Fehlern und Ausblendungen aufwartet. Er muss, eben wegen jener bewussten Übereinstimmung mit Stirner, subjektiv in einem viel grösseren Masse “verdrängen” als andere Autoren — vgl. meine Re(pulsions- und De)zeptionsgeschichte von Stirners »Einzigem« (

Hinzu kommt, da Hoevels meine einschlägigen Arbeiten zumindest zum Teil kennt, dass er eine “Tertiärverdrängung” zustande bringen muss — wenn er sich nicht von seinem Fetisch befreit. Ich will den neuen Begriff kurz, am Beispiel Marx und Marxforschung, erläutern.

Was ich unter Primär- und Sekundärverdrängung verstehe, habe ich am gleichen Beispiel einmal wie folgt erklärt:

“Marx sah noch im Sommer 1844 in Feuerbach “den einzigen, der eine wirkliche theoretische Revolution” vollbracht habe. Das Erscheinen des »Einzigen« im Oktober 1844 erschütterte diese Haltung, denn Marx erspürte sehr deutlich die Tiefe und Tragweite der Stirner’schen Kritik. Während andere, auch Engels, Stirner zunächst bewunderten, sah Marx von Beginn an in ihm einen Feind, den es zu vernichten galt.

Zunächst hatte Marx vor, eine Rezension des »Einzigen« zu schreiben. Er gab diesen Plan aber bald wieder auf, wollte erst die Reaktionen der anderen (Feuerbach, Bauer) abwarten. In seiner Polemik »Die heilige Familie. Gegen Bruno Bauer und Konsorten« (März 1845) sparte er Stirner aus. Im September 1845 erschien Feuerbachs Kritik des »Einzigen« — und zugleich Stirners souveräne Duplik auf sie. Jetzt fühlte Marx sich provoziert, selbst einzugreifen. Er unterbrach wichtige Auftragsarbeiten und stürzte sich auf den »Einzigen«. Seine Stirner-Kritik »Sankt Max«, voller Invektiven gegen den “dürftigsten Schädel unter den Philosophen”, geriet ihm länger noch als der »Einzige«. Doch nach Fertigstellung des Manuskripts muss Marx wieder in seinen taktischen Überlegungen geschwankt haben. Schliesslich blieb die Stirner-Kritik ungedruckt.
Als Ergebnis seiner privatim geführten Auseinandersetzung mit Stirner wandte Marx sich endgültig von Feuerbach ab und konzipierte eine Philosophie, die, anders als die Feuerbachs, gegen Stirner’sche Kritik immun sein sollte: den sogenannten historischen Materialismus. Marx scheint aber seine neue Theorie damals noch als Provisorium betrachtet zu haben, denn auch sie liess er, wie den »Sankt Max«, in der Schublade. Eine öffentliche Diskussion mit Stirner wollte er auf jeden Fall vermeiden.
Er stürzte sich stattdessen ins politische Leben, in Fehden mit Proudhon, Lassalle, Bakunin u.a. So gelang es ihm schliesslich, das Problem “Stirner” ganz zu verdrängen — sowohl im psychologischen als auch im ideengeschichtlichen Sinn. Die historische Bedeutung von Marx’ Verdrängungswerk wird deutlich, wenn man untersucht, wie später die Marxforscher aller Richtungen Stirner sahen und seinen Einfluss auf Marx bewerteten. Sie folgten in erstaunlich einmütiger Weise kritiklos der Darstellung, die Engels 1888 in seinem populären Buch »Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie« gegeben hat. Engels erwähnt Stirner darin nur beiläufig als “Kuriosum” im “Zersetzungsprozess der Hegel’schen Schule” und feiert Feuerbach als deren Überwinder.

Diese Darstellung, obgleich chronologisch und sachlich grob falsch, wurde schnell die allgemein akzeptierte; sie blieb es auch, nachdem 1903 Marx’ »Sankt Max« bekannt wurde. Die Reaktionen Marx’ auf Stirners »Einzigen« sind zwar gut und detailliert belegbar, doch gibt es bis heute nur ausnahmsweise Autoren (Henri Arvon, Wolfgang Essbach), die Stirners entscheidende Rolle bei Marx’ Konzeption des historischen Materialismus thematisiert haben — und zu einer halbherzigen Rehabilitation Stirners kamen, bei der die etablierte Superiorität Marx’ nicht in Frage gestellt wird. Aber selbst diese Arbeiten wurden jahrzehntelang ignoriert und werden erst seit kurzem zögerlich in spezialisierten Fachkreisen diskutiert.

Fazit: Marx’ primärer Verdrängung Stirners (psychologisch und ideengeschichtlich verstanden) folgte eine sekundäre, bei der die Marxforscher jeglicher Richtung die Marx’sche primäre, aller Evidenz zum Trotz, automatisch ausblendeten (zuletzt sehr eindrucksvoll bei Louis Althusser) und sich damit auch die eigene primäre ersparten.”

Es ist, selbstverständlich, niemand dazu verpflichtet, diese Auffassung der Vorgänge zu akzeptieren. Wer an ihnen aber ein zentrales Interesse gefasst hat (wie Hoevels ausweislich seiner Bibliographie) und wer diese Darstellung gelesen und ihre ideengeschichtlichen Implikationen erkannt oder zumindest erahnt hat (wie bei Hoevels anzunehmen), der wird — wenn er es vermeidet, bei einer passenden Gelegenheit kritisch oder zustimmend auf sie einzugehen und stattdessen (wie Hoevels) untypisch unzulängliche Texte produziert — sich dem Verdacht aussetzen, die brisante Angelegenheit, wie Generationen vor ihm, zu verdrängen. Da er dies dann allerdings trotz Kenntnis der primären (Marx) und sekundären (Marxforschung) Verdrängungen tut, ist seine Verdrängung eine andere, eine tertiäre.*

 

 

 

 

image_pdfScaricare PDFimage_printStampare testo
(Visited 67 times, 1 visits today)